Bindung & Resonanz für Fachkräfte

Sozial-Pädagogische Fachkräfte, ErzieherInnen, Jugend-und Heimerzieher, Heilerziehungspfleger, zur Erweiterung ihres (auch nonverbalen) Handlungsrepertoires im zwischenmenschlichen Umgang mit ihrer Klientel, welches nachweislich Eskalationen im Betreuungsalltag vermeiden hilft und die entwicklungspsychologische Nachreifung fördert. Dadurch wird die natürliche Bereitschaft zur Kooperation wiederhergestellt.

Dieses spezielle Training unterstützt pädagogische Fachkräfte in der täglichen Begleitung von jungen Menschen dabei ihre emotionale Intelligenz zu schulen und relevante (meist non-verbale) Signale frühzeitig zu erkennen und damit umzugehen. Werden diese Signale, mit den entsprechenden emotionalen und non-verbalen Ausdrücken rechtzeitig erkannt, fühlen sich gerade „entwicklungstraumatisierte Menschen“ in ihrem „So-Sein“ bestätigt und emotional gehalten. Die natürliche Folge darauf ist Kooperation und die Basis von Vertrauen, die wir Menschen uns alle wünschen.

Den TeilnehmerInnen wird eine Art Landkarte zur Verfügung gestellt an der sie sich bzgl. des Umgangs und dem situativen Erkennen von bindungs-/entwicklungsspezifischen Zeichen und Signalen orientieren können.

Kinder und Jugendliche sind existentiell darauf angewiesen, dass ihre Bezugspersonen wissen was zu tun ist und sich entsprechend verhalten, um, im Sinne einer haltgebenden Bindung, Orientierung - und somit auch Sicherheit - zu ermöglichen. Bindungsorientiertes Begleiten erfordert ein wenig umzudenken und den meist vorformulierten Pfad der zu leistenden Ziele zu verlassen. Durch die Begleitung der Bindungs- und Entwicklungsphänomene wird die Festigung der Persönlichkeit ermöglicht, welche dann als natürliche Folge diese gewünschten Ziele -selbstverständlich - erreichen will. „Leistung“ wird somit zum Nebenprodukt.

Um sich an dieser Landkarte orientieren zu können bedarf es neben etwas theoretischer Grundlagen vor allem Übung. Emotionale Zeichen seines Gegenübers im Alltag zu erkennen, richtig zu interpretieren und dann darauf entsprechend einzugehen setzt in diesem Kontext voraus seine eigene emotionale Intelligenz zu fördern und zu erweitern.

Dies gelingt zum einen sich Kenntnisse über die Grundgefühle (Angst, Ärger, Trauer, Ekel, Verachtung, Freude, Überraschung) und deren evolutionären (und entwicklungspsychologischen) Bedeutung anzueignen. Zum anderen aber muss der Transport in den gelebten Alltag erfolgen. Dies ist nur möglich durch spontanes Handeln und dem wirken der eigenen Person. Dadurch wird eine therapeutische Präsenz begünstigt, welche die Qualität des In-Beziehung-Tretens steigert und die Voraussetzung für eine Ich-und-Du-Begegnung (Buber 1923) mit Tiefe, Sicherheit und Veränderung in der gemeinsamen Beziehung bildet (Polyvagal-Theorie).

Im entwicklungsorientierten Arbeiten gehen wir davon aus, dass sich zwei Entwicklungsprozesse („Deiner und Meiner“) gegenüberstehen und aufeinander einwirken. Gerade junge Menschen die pädagogisch (noch) nicht erreichbar sind haben ein feines Gespür für ihre Gegenüber entwickelt - um existentiell einzuordnen, ob dieser Mensch ein Freund, Feind oder Unbedeutend ist -, dass gesprochene Wort ist hierbei von nachrangiger Bedeutung. Viel wichtiger ist die Wirkung der Person auf den anderen! Wir bedingen uns gegenseitig. Es ist ja auch so, dass nicht nur das Kind in der Beziehung zu seinen Bezugspersonen wächst. Es wachsen ja auch die Bezugspersonen (idealerweise Mutter und Vater) an der Beziehung zum Kind.

Hierbei ist u.a. die mimische Resonanz von besonderer Bedeutung. Für kleine Kinder ist die Mimik der Erwachsenen wie ein „Spiegel der Welt“. Durch Spiegelneuronen werden hierdurch Informationen weitergegeben, welche für das Kind emotional erlebbar und somit körperlich zu spüren sind. Wissenschaftliche Studien belegen, dass bezüglich der Grundgefühle (Angst, Ärger, Trauer, Ekel, Verachtung, Freude, Überraschung) der mimische Ausdruck hierfür sogar kulturübergreifend gleich ist. Mutter Natur hat diese „Informationsplattform Mimik“ auch für uns menschliche Säugetiere eingerichtet, um ein sicheres Zusammenleben und gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen.

In unserer Arbeit kann die mimische Resonanz sowohl als Frühwarnsystem dienen, Hinweis auf das derzeit vorrangige Entwicklungsniveau geben und ein -nachweislich- wirkungsvolles Kommunikationsmittel sein.

Fortbildungstermine für 2018

17./18.01. Bindung & Resonanz
14./15.02. Bindung & Resonanz
Leitung: Gerd Weiland

Lernziele

Teil 1: Sie erhalten Informationen aus der Hirnforschung und der Entwicklungspsychologie. Diese (theoretische Grundlagen) sind Teil der Landkarte, die für die entwicklungsorientierte Begleitung benötigt wird.

Teil 2: Als Kompass (zur Orientierung) werden die speziellen Lernaufgaben jeder Phase definiert und der jeweiligen (neuronalen und psychischen) Entwicklungsphase zugeordnet. Wenn es um psychologische Reifungsprozesse geht neigen wir gerne dazu uns und andere zu überfordern, indem wir zu schnell zu viel erwarten. Gerade bei der emotionalen Entwicklung gibt es aber bestimmte Schritte die man weder erzwingen noch überspringen kann!

Teil 3: Sie trainieren angemessen und zielführend mit den Informationen, die Sie durch präzises Beobachten gewonnen haben, umzugehen. Hier liefert u.a. die moderne Gehirnforschung wertvolle Impulse für eine ressourcenvolle und beziehungsfördernde Kommunikation.

Inhalte

  • Evolutionäre Entwicklung und Reifung des Gehirns
  • Psychologische Entwicklungsstufen
  • Der Entwicklungsauftrag - Die unterschiedlichen Qualitäten des In-Beziehung-Tretens
  • Stand der Mimikforschung
  • Das limbische System – unser Emotionszentrum
  • Körper-Selbst-Wahrnehmung-Präsenz
  • Erkennungsmerkmale der Mimik von Ärger und Angst Prozessorientiertes Nutzen von emotionalen Signalen
  • Signale nutzen, um die Resonanz zu stärken
  • Den Bindungstanz eröffnen - der Transfer in den pädagogischen Alltag
  • Der Alltag als Übung

Vermittlungsmethoden

  • Vortrag
  • Filme
  • Auseinandersetzung im Einzel- und Kleingruppensetting
  • Übungspraxis

Voraussetzungen

  • Praxiserfahrung
  • Um andere auf diesen unterschiedlichen Ebenen von Entwicklung zu begleiten, müssen wir in der Lage sein diese unterschiedlichen Bereiche selber zu spüren und uns darin zu orientieren, bevor wir in eine entwicklungsfördernde Resonanz gehen können. Daher ist für dieses Training die Bereitschaft zur Selbstforschung, Körperwahrnehmung, ergänzenden Literaturstudien und Aufenthalten in der freien Natur nötig.

Benötigte Materialien

  • Schreibmaterial
  • Eine Decke
  • Bequeme Kleidung
  • Wetterfeste Kleidung

Dauer: 2 Tage
Investition: 265,00 €
Ort: unsere Räume 
Termine: 2018

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